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Kann man ein Optimist im Pessimismus sein?

20190919 Lesung 6

Lesung mit Max Annas, Martina Clavadetscher und Thomas Raab an der CDSC


Man könne, meinte Max Annas, einer von drei ganz besonderen Gästen an unserer Schule, die am 19.09. in unserer Bibliothek aus ihren Büchern lasen und dabei Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufen 10, 11 und 12 sowie Lehrer und Lehrerinnen gleichermaßen begeisterten. Souverän moderiert von unserem Schulleiter Markus Brandtner lasen Max Annas, Martina Clavadetscher und Thomas Raab abwechselnd aus ihren Büchern vor und antworteten auf viele Fragen, die aus dem Publikum gestellt wurden. Fragen zu ihren Büchern, zu ihrem Schreiben und zu ihrer Person. Gemeinsam haben sie, dass sie unterhaltsam und dem Publikum sehr zugewandt sind, sie können einfach gut und interessant erzählen. Gemeinsam sind auch die Themen ihrer Bücher. Und es sind gute Bücher, die sie uns vorgestellt haben.

Thomas Raab meinte, sein Netzwerk Orange wäre sogar „ein wichtiges und kluges Buch“ und dem geneigten Zuhörer wird schnell klar, hier schwingt immer eine Portion Selbstironie im Ernstgemeinten mit. Ein Humor, der ankommt. Ganz anders als Max Annas antwortet er auf die oben gestellte Frage mit: „Man kommt schon zurecht!“ Der Mensch sei für ihn zwar eine Maschine, aber nach wie vor ein wundersames Wesen. Und so macht natürlich auch der Titel seines Buches Sinn, in Anlehnung an Anthony Burgess´ Roman „A clockwork orange“ von 1962 seien wir jetzt eine Symbiose aus dem Netz und Orang-Utan: „gesteuerte Wesen ohne Steuermann“.
Genau wie Thomas Raab beschreibt auch Max Annas in seinem Buch „Finsterwalde“ eine Dystopie, eine schreckliche Vision in naher Zukunft, deren Bilder bei so manchem Zuhörer Assoziationen zum Jetzt und Heute hervorbringen, nicht nur wegen des finsteren Ortsnamens. Um drei Uhr morgens sei seine Schaffensperiode, erzählt der Autor ebenso mit feinem Humor gespickt, vorher gebe es jedoch immer einen kleinen Kampf in seinem Inneren, der Körper würde gerne schlafen, werde aber stets von Herz und Verstand besiegt. Und er ist sich sicher, dass seine im Buch erschaffene Realität nicht wahr werde, auch deshalb gibt es in seinem Buch eine Figur, die einen Weg findet, was seinen Optimismus stützt.
Auch in dem dritten Buch „Knochenlieder“, geschrieben von Martina Clavadetscher, findet die Protagonistin Wege, um der bitterbösen Realität entkommen zu können. Und trotzdem würde ihre „Mutter sich Sorgen machen, wenn sie dieses Buch läse.“ An ihrem Werk fällt sofort der Schreibstil, weil äußerlich sofort erkennbar, auf. Was denn das Lektorat von diesem Zeilenstil gehalten habe, fragt Josia Nescholta. „Die fanden´s gut“, lautet die Antwort, die zugleich auch ihre humorvolle Seite zum Ausdruck bringt. Interessant ist auch, wie Martina Clavadetscher beschreibt, dass sie den Charakter ihrer Figuren erst beim Schreiben kennenlerne. Und nicht zuletzt die Erklärung für die Farben als Familiennamen. So könne Weiß ein Verweis auf Weissagen sein.
Nach zwei Stunden und 15 Minuten geht eine Lesung zu Ende – eine Lesung, wie sie im Buche steht. Oder hat jemand schon einmal eine Lesung erlebt, bei der im Anschluss Schüler und Schülerinnen sofort darum bitten, die vorgestellten Bücher geschickt zu bekommen? Bekommen sie, zeitgemäß natürlich als E-Books.
Ein großes Dankeschön gilt dem Organisationsteam von der Deutschen Botschaft und vor allem drei wunderbaren Menschen, die wir kennenlernen durften: Max Annas, Martina Clavadetscher und Thomas Raab.

A. Godomski

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